Moral
Fellmuthow
2000
Die
Vorgaben der Religionen für das Zusammenleben in der Menschengemeinschaft,
wurden als Moralkodex formuliert - so
auch die zehn Gebote der christlichen. Sie beschreiben zweifelsohne den Kern des
Menschseins. Beschreiben, wodurch sich menschliche Moral von den Überlebensstrategien
der Tiere „Was mir nützt ist gut“ unterscheidet. Moral kennen Tiere
nicht.
Heute
nun, verliert menschliches Moralverhalten immer
mehr an Bedeutung. Aber es galt ja noch nie für alle gleichermaßen. Die Glaubensmanager selbst, die „Auserwählten“, fühlten
sich noch nie daran gebunden, für sie galten schon immer andere Regeln,
galt: „Gut ist was der Kirche nützt!“ Der Wortlaut christlicher
Gebote lässt, durch die tolerante Formulierung: „Du sollst nicht...!“,
anstelle eines eindeutigen: „Du darfst nicht...!“
das ja auch ausdrücklich zu. Wohlweislich haben die
Glaubensverwalter die Entscheidung über die Zulässigkeit einer solchen Abtrift
sich selbst vorbehalten, erlauben sich selbst, im Namen ihres Gottes,
unbegrenzte Freizügigkeit. Wie sonst hätten Christen, die doch vor allen anderen
den Geboten ihrer Religion verpflichtet sein müssten, während der Kreuz- und
anderer Kriege Menschen massenhaft ungestraft töten, hätte die Inquisition
Hunderttausende Hexenprozesse führen - und wir wissen
es heute - Unschuldige zu einem
grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilen dürfen; trotz des 5. Gebotes,
das da lautet: „Du sollst nicht töten!“
Weil
der Macht des Klerus zuträglich, war es gottgefällig und keine Sünde, das die
Kirche sich den Besitz Verurteilter aneignete. Den Reichtum der Kirche durch
Raub zu mehren, war gottgefällig - trotz des 10. Gebotes: „Du sollst nicht
begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh und alles was sein ist.“
Die Moral der Verwalter kirchlicher Macht war eben schon immer eine willkürliche,
knetbare. Um jedoch die Gläubigen davon abzuhalten es ihnen gleich zu tun, sie
einzuschüchtern, in Abhängigkeit zu halten, wurde das Märchen von der
absoluten Kontrolle durch einen allwissenden Gott erfunden; der jede Handlung
beobachtet und für das „Jüngste Gericht“ registriert, ohne dass es eine
Chance gibt sich dem zu entziehen.
Der
moderne Mensch, der sich immer stärker seiner geistigen Abhängigkeit von den
Religionen entledigt, weiß natürlich, dass es diese göttliche Kontrolle gar
nicht geben kann und die durch Menschen ausgeübte, eine unvollkommene, täuschbare,
ja käufliche ist, er sich einer
Verurteilung durchaus entziehen kann. Nach dem Vorbild der göttlichen, leisten
sich heute weltliche Egoisten ungestraft ihre ganz eigene, nur ihnen persönlich
nützliche Moral.